Matt

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Matt ist eine Fantasygeschichte, an der ich seit einiger Zeit arbeite.
Vorab schon einmal eine Leseprobe. Es ist das Kapitel "Solitar".
Viel Spaß beim Lesen.

 

“Die Geschichte, die du gleich hörst, wird dir so unglaublich erscheinen und du wirst lange brauchen, sie wirklich zu begreifen.
Aber du musst wissen, sie ist absolut wahr und wenn du sie gehört hast, wirst du erkennen, warum es so absolut wichtig ist, darüber kein Sterbenswörtchen zu verlieren.”
Abwartend sah Matt seine Mutter an. Seine Kehle war trocken und er hatte ein nie gekanntes eigentümliches Gefühl, hier würde seine Kindheit zu Ende sein.
Phillip legte seine Hand auf die von Matts Mutter, die andere auf die von Matt.
Er sah erst Matts Vater an und als der ihm zunickte, begann er zu erzählen.

“Die Erde, auf der ihr wohnt…”
“Was heißt ,,ihr?”, warf Matt ein.
“Wohnst du nicht auf der Erde?”
Irgendwie war er völlig durcheinander. Sein Gehirn weigerte sich zu glauben, Phillip könnte auf irgendeinem anderen Planeten wohnen als auf der Erde, obwohl die Art, wie er ihn, Matt, nach Hause gebracht hatte, nicht gerade nach einem Erdenmenschen aussah.
Phillip sah ihn lächelnd an und sagte dann:
“Ich habe einmal auf der Erde gelebt, aber das ist lange her. Heute lebe ich auf einem Planeten, der Verit heißt. Er ist Milliarden Lichtjahre von hier entfernt.
Aber es ist besser, ich fange von vorn an und du hörst mir einfach nur zu.”
Matt machte seinen Mund wieder zu. Er hatte gerade zu einer neuen Frage ansetzen wollen.
“Okay”.
Es war besser, erst einmal Phillips Geschichte anzuhören, als ständig Fragen zu stellen, die sich vielleicht selber beantworteten. Fragen konnte er hinterher immer noch stellen.
Matt spürte genau, die Schwelle, die er jetzt übertrat, war die geöffnete Pandoras Box.
Es würde kein Zurück mehr geben. Nicht für ihn, und nicht für seine Familie.
Für einen Augenblick tauchte das Bild von Joey auf, aber genauso schnell verschwamm es auch wieder.
Inzwischen hatte Phillip wieder mit dem Erzählen begonnen.

“Die Erde, auf der ihr wohnt, und auf der auch ich geboren wurde, ist nicht durch den, von den Menschen angenommenen Urknall entstanden.
Im ganzen Universum gab es früher, vor Milliarden und Abermilliarden Jahren nur einen einzigen großen Planeten, der doppelt so groß war, wie alle heutigen bekannten und unbekannten Planeten des Weltalls zusammen.
Dieser Planet hieß Solitar. Auf ihm wohnten alle Bewohner in Frieden miteinander und wurden von einem weisen Mann und seiner Frau regiert.
Sie waren so weise, dass sie der Meinung waren, sie könnten nur in Frieden und Harmonie leben, wenn es allen gleich gut ginge.
Das Glück des Einen würde auch das Glück des Anderen sein, wenn die Sorgen der Einen auch die Sorgen der Anderen wären.
Das funktionierte auch viele Jahre gut, bis dieses weise Paar zu Eltern wurde.
Nicht ein oder zwei, nein, fünf gesunde Jungen gebar die Frau und alle Bewohner freuten sich mit ihnen.
Doch die Ironie des Schicksals wollte es, dass die fünf Jungen sich nicht vertrugen. Sie waren böse und zankten sich, wo es nur ging. Sie schlugen sich sogar und säten Unfrieden unter den bis dahin so friedlich Lebenden.
Irgendwann begannen die Bewohner untereinander Krieg zu führen.
Die Harmonie war dahin und jeder passte nur noch darauf auf, dass der Nachbar nicht mehr auf dem Teller hatte, als man selber.
Die Einwohnerzahl verringerte sich immer weiter, weil die Bewohner sich gegenseitig umbrachten, um sich das Hab und Gut der Ermordeten anzueignen.
Der weise Mann und seine Frau beriefen eine Versammlung ein. Auf ihr warnte er sie eindringlich vor der Zerstörung ihres Planeten durch Wut und Hass. Es werde nichts übrig sein, würden sie nicht zur Vernunft kommen.
Doch die Bewohner waren blind in ihrer Habgier. Sie mordeten und plünderten. Sie betrogen, logen und ihrer Fantasie darin waren kaum noch Grenzen gesetzt.
So kam, was schließlich kommen musste, ihr Planet zerstörte sich am Ende durch seine eigenen Bewohner.
Irgendwann zerbarst er in viele große und kleine Stücke, die weit in den Weltraum hinein geschleudert wurden.
Zuvor aber hatte der weise Mann gerufen, es gäbe in der Zukunft fünf Planeten.
Auf jedem der fünf Planeten wird jeweils ein unschuldiges Pärchen eine neue Menschheit zeugen und zu Frieden und Harmonie anhalten.
Er legte das Symbol des Planeten Solitar vor sich auf die Erde und teilte es in fünf Teile, von denen jedes für sich allein wiederum ein neues Symbol bildete.
Auf jedem Planeten wird eines dieser Teile sein und für den Frieden im Universum sorgen. Solange die Symbole ihren jeweiligen Planeten nicht verlassen, werden seine Bewohner in Frieden miteinander leben.
Niemals jedoch dürfen sie wieder zusammengefügt werden, denn dann würde sich die Geschichte wiederholen und die fünf Planeten wären ihrem Untergang geweiht, wie der Unsrige heute.
Damit ihr immer daran erinnert werdet, was passieren kann, werden die Planeten die Namen derer tragen, die für all das verantwortlich sind - die Namen meiner Söhne:
Verit, Terrat, Kurax, Sawir und Varok.
Bedächtig hob der weise Mann die fünf Teile von der Erde auf und warf sie, eines nach dem anderen in die Höhe.
Sie kreisten noch einige Minuten über den Köpfen der entsetzten Solitarianer.
Dann stoben in einem Regen aus roten und grünen Funken davon.
Der Himmel färbte sich erst rot, dann grün. Schließlich wurde er dunkel und der Planet explodierte in einen rot-grünem Feuerball.
Solitar hatte aufgehört zu existieren.