Flüchtlinge

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Unser altes Leben
Endete
Am Morgen
In einer Staubwolke

Übrig blieb
EinTrümmerfeld
Das einmal
unsere Heimat war

Der Bekannte eines Bekannten
Brachte uns
Zur Grenze
Sprach vom besseren Leben
In Frieden

So zogen wir
Zur Küste
Ergaben uns
Fremden Menschen

In schwachen Booten
Umklammerten wir uns
Hielten das Gefährt
Im Gleichgewicht

Mit uns fuhr
Ungewissheit und Angst
Der Sonne entgegen
Über wildes Wasser

Wir tranken den Regen
Und aßen
Fast nichts

Begruben
Den einen und die andere
In nassem Grab

Land in Sicht
Und ein neues Leben
Zu dem uns
Das Leben
Gezwungen hat

Ein Hemd, eine Hose
Und Hoffnung
Blieben übrig
Vom alten Leben

Getrieben von Angst
Um Kind, Frau oder Mann
Liefen wir
Durch Wüsten und über Berge
Mit Bildern im Kopf
von bombardiertem Land


Verloren manchen Freund
Lernten Menschen kennen
Die halfen aus Liebe
und auch den Hass
Der anderen

Wir wollten nie
Etwas wegnehmen
Nur ein Stück vom Frieden
Und Sicherheit
Für unsere Familien

Nun sind wir hier
Dankbar und angstvoll
Ein Dach über dem Kopf
Hinter Zaun und bewacht

Ziehen von Amt zu Amt
Um zeigen zu können
Ich bin ein Mensch
Der arbeitet
Der lebt
Der lachen kann

Wollen keine Almosen
Und nichts geschenkt
Wollen nur verschnaufen
von Krieg und Elend zu Haus

Erwarten nicht
Das man uns mag
Nur das ihr versteht
Das Frieden auf der Welt
Nicht selbstverständlich ist