Das Versteck im Wald

"Das Versteck im Wald" ist ein Kinderkrimi wie er im Buche steht.
Nach dem Umzug von Berlin in eine mecklenburgische Kleinstadt lernt Ralf neue Freunde kennen und gerät unversehens in das Abenteuer seines Lebens.

Hier als Leseprobe das Kapitel 17.

 

Nachdenklich sah Maik Justus hinterher, der der Frau mit dem roten Hut nach draußen folgte. Ein inneres Gefühl sagte ihm, dass die Frau irgendeine Rolle in der ganzen Geschichte spielte. Aber welche das sein sollte und warum, konnte er nicht sagen. Es war einfach nur ein Gefühl. Mit einem Seufzer lehnte er sich neben dem Beichtstuhl an die Wand, als er spürte wie diese plötzlich nachgab und er rückwärts in ein schwarzes Loch hinter der Wand fiel. Die Luft die ihm entgegenschlug war feucht und roch modrig. Von irgendwo spürte er einen schwachen Luftzug. Aber das konnte auch Einbildung sein. Als er sich von dem ersten Schreck wieder erholt hatte, tastete er im Dunkeln nach der Stelle, an der er durch die Wand gefallen war. Diese hatte sich aber gleich wieder geschlossen. Er tastete noch eine Weile in der Dunkelheit an den feuchten, kalten Wänden entlang, musste aber einsehen, dass die Wand sich offenbar nur von der anderen Seite öffnen ließ. Da das Ganze aber im Bruchteil einer Sekunde passiert war, war es naiv anzunehmen, dass das Geschehen von einem Besucher der Kirche überhaupt bemerkt worden war. Und selbst wenn es jemand gesehen hätte, er würde wohl eher an eine optische Täuschung als an eine Geheimkammer in der Wand eines Gotteshauses denken. Und wie konnte die Wand überhaupt geöffnet werden?
Maik selbst hatte es ja auch nur unbewusst getan und konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen wie das geschehen war.
Als er nach einer Weile feststellte, dass auf sein Klopfen und Rufen niemand reagierte, wusste er, dass er hier nicht tatenlos herumsitzen und warten konnte. Hier würde ihn niemand finden. Also begann er aufs Neue die Wände abzutasten und bei einem Mauervorsprung stellte er fest, dass dieser Raum keine Kammer war, sondern eine Art Gang, der hinter dem Vorsprung im rechten Winkel abbog.
Als er um diese Ecke gehen wollte, fiel Maik um ein Haar eine Treppe hinunter, die genau hinter dem Mauervorsprung begann. Vorsichtig setzte er einen Fuß vor den anderen und stieg Stufe um Stufe in die Tiefe hinab. Irgendwann begann er instinktiv die Stufen zu zählen und ein beklemmendes Gefühl beschlich ihn, als er nach dreiundsiebzig Stufen am Ende der Treppe angekommen war. Von den Fingerspitzen kletterte ihm eine Gänsehaut bis in die Oberarme, um dann in seinen Nacken zu kriechen. Maik war, als würde eine eisige Hand nach seinem Herzen greifen und ihm schauerte. Das Gefühl hielt jedoch nicht lange an. Er musste sich erst einmal darum kümmern, herauszufinden, wo er sich befand und vor allem, wie er hier wieder heraus kommen konnte.
Allmählich gewöhnten sich seine Augen an die Dunkelheit und so tastete er sich Meter für Meter den Gang entlang, in der Hoffnung, dass er am Ende einen Lichtschein und damit einen Ausgang finden würde. Ab und zu zündete er ein Streichholz an aus der Schachtel, die er in seiner Tasche gefunden hatte, um sich ein wenig Orientierung zu verschaffen. Aber der Gang war länger als er sich das vorstellen konnte und wollte einfach kein Ende nehmen. Ihm war, als wäre er schon Stunden hier unten den Gang entlang gelaufen. Erschöpft und auch resigniert ließ er sich auf dem feuchten Boden nieder. Er spürte, wie die eisige Hand wieder nach seinem Herzen griff und kurze Zeit später nahm ihn eine sanfte Ohnmacht gefangen.